Herbstkonzert am 28.09.2019

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28.9.2019 im Kultuhaus Buchbach:

Han's Klaffl war da

Statt zu einem Herbstkonzert lud die "Buchbacher Musikschule" heuer zu einem Kabaret-Abend mit Han's Klaffl ein.


40 Jahre hatte Han’s Klaffl als Lehrer anscheinend Ferien und hat dann eingepackt, so zumindest sein Programm in Buchbach, sein erstes von insgesamt bisher vier Programmen. Sie handeln, wie sollte es anders sein, natürlich von den schulischen Erlebnissen des ehemaligen Musiklehrers. Es gibt viele Berufsgruppen, die kein hohes Ansehen haben, die Lehrer gehören sicherlich dazu, worüber sich Klaffl verärgert zeigte und zwischendurch versuchte, Anerkennung zu ernten oder zumindest Mitleid zu wecken...

Trotz des gleichzeitig stattgefundenen Buchbacher Oktoberfestes in der Stockschützenhalle, war das Buchbacher Kulturhaus bestens besucht. Dort hat Klaffl den seiner Meinung nach, überwiegend anwesenden Lehrern und besorgten Eltern, einen Einblick in seine Arbeit am bayerischen “Lukas-Podolski-Gymnasium“ in München gegeben und zeigte neben seinen Erlebnissen mit den Schülern, auch schonungslos die Schwächen des alternden Lehrerkollegiums auf.

Begonnen hat er dabei mit der Korrektur einer Vielzahl von Musik-Tests am Stehpult und hat sich über jede falsche Antwort ansteigend in Rage gebracht, die er nur mit ein paar Schluck Rotwein im Zaum hielt. Besonders  brachten ihn die unterschiedlicher Schreibweisen des Wortes “Rhythmus“ schier zur Verzweiflung, außer der Schüler mit der anerkannten Rechtschreibschwäche, der dieses Wort wider Erwarten richtig schrieb und dass “Hallo Julia“ von Händel komponiert worden sei. Die Schüler waren aber nicht sein Hauptthema, dafür sprach er zu verständnisvoll und voller Achtung von ihnen und hatte für ihre Sorgen und Nöte sehr viel Verständnis. Vielmehr waren es die Kollegen und die Ministerialbürokratie, die ihn ärgerten.

Han’s Klaffl, der pensionierte Lehrer, machte für einen alternden ehemaligen Lehrer, eine sympathische und sportliche Figur, wenngleich er zugab, weder als Schüler, noch als Lehrer nicht zu den Sportlichsten gehörte, und gerade in den letzten Lehrerjahren beim Bücken deutliche Probleme hatte, vor allem bei der Suche nach dem  Lehrerklo-Schlüssel, wie sich erst gegen Ende des Programms herausstellte. Diesen hatte letztlich der Lehrertyp der Kategorie B, Gütlich, zum Programmende gefunden.

Klaffl hat den Typen Lehrer nämlich in unterschiedliche Gruppen unterteilt, die dann auch immer wieder in unterschiedlichen Szenen in seinem unterhaltsamen Musik-Kabarett auftauchten. Zum einen Lehrer Sedlmayer, der keine Probleme mit Schülern

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 hat. Ein Typ, der alles aussitzt und die alten Cordanzüge aus den 1970er Jahren aufträgt. Typ B ist der Kollege Gütlich, ständig tief betroffen, belasteter Bedenken-Träger und ein Meister des Projektunterrichts. Dabei lässt er an der Ministerialbürokratie kein gutes Haar, deren Handreichungen außer Gütlich sowieso keiner liest. Und dann gab es noch Kollegen Gmeinwieser, ein "Hoglbuacherner", ein Brachialrhetoriker mit der Fächerkombination Sport und Chemie, “der Lukas Podolski im Kollegium und der Meister der pädagogischen Blutgrätsche“. Der Schüler ist sein natürlicher Feind, der vermehrt am ADHS-Syndrom leidet, “der Krankheit, bei der der Leidensdruck nicht beim Patienten liegt“. Dann kennt Klaffl noch die Hilde, und dies schon “seit sieben oder acht Konfektionsgrößen!“, mit dem Hinweis darauf, welche Ausdehnung Leggings haben können. Dies war ein weiteres Thema: Die Vergreisung des Kollegiums. “Früher haben wir einmal im Jahr 20 Mark gesammelt, um einen Strampler für das Kind einer Kollegin zu kaufen. Heute sammeln wir alle Vierteljahr 150 Euro für einen Kranz!“. Eindringlicher kann man die “marodierende Geriatrie“ mancher Schule nicht zeichnen.

Die größten Lacher gab beim Thema "Hauch", zu dem er ansehnlich die Gerüche der Schüler, besonders aus deren Turnsackerl beschrieb. So plastisch, dass einem schon fast der beschriebene strenge Geruch der Schüler in die Nase stieg, oder die Schminkorgien der Mädels nach dem Sportunterricht, die unter der Schminke sogar die Kopfhörerkabel verstecken könnten.

Beim Thema Lehrerkonferenz gab er Einblicke in das Lehrerleben, die weder Schülern noch deren Eltern zugänglich sind, vor allem die Themen “Notenkonferenz“ oder der “beweglicher Ferientag“ der bei den Lehrern höchste Priorität zu besitzen schien. Oder die Schwierigkeiten als Lehrer, einen Elternsprechtag erfolgreich zu überstehen, wo er schließlich die Gedanken des Lehrers und der Mutter zwischen Klavier und Kontrabass mit Bravour abwechselnd nach der Melodie "Im Wagen vor mir" von Henry Valentino, zum Besten gab und dabei oberlehrerhaft auch das Publikum in seine musikalischen Darbietungen einbezog.

Aber nicht nur beim Elternsprechtag, auch zu den verschiedenen anderen Themen setzt sich Han’s Klaffl immer wieder ans Klavier oder stellt sich an seinen Kontrabass. Dann spielte er sich bei bekannten Melodien, die er mit den entsprechenden Texten versah, den Ärger über die schlechten Noten bei Peggy Lees “Fever!“ von der Seele und zur Melodie von Lou Reeds “Walk On The Wild Side“ beschreibt er eine elfte Klasse am Montagmorgen, oder die listige Hymne auf das Schul-Klo mit Monty Pythons “Always Look On The Bright Side Of Life.

Han’s Klaffl, der den Apostroph in seinem Vornamen auf die Frage der Vorsitzenden der Musikschule Buchbach, Margot Unterberger, als “Deppen-Apostroph“ bezeichnete und ihn schon im Vorgriff auf eine künftige Rechtschreibreform aufgenommen hat, gab erfrischende und manchmal auch erschreckende Einblicke in das Lehrerdasein. Höchst konzentriert lauschte das Publikum dem augenzwinkernden Schul-Report von Klaffl und alle konnten an diesem Abend ausgelassen darüber lachen, wofür er immer wieder tosenden Beifall erhielt.  Nun im offensichtlich verdienten Lehrerruhestand, sind seine 40 Jahre Ferien vorbei, vor allem, wenn man sein vollbepacktes Tourprogramm bis Ende Februar 2020 sieht. (ram)

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